Arbeiten in der Werbeagentur

 

In der Werbung arbeiten, kreativ sein und seinen Ideen freien Lauf lassen. Das ist die Vorstellung die vielen jungen Leuten vorschwebt, wenn sie sich für einen Beruf in der Werbebranche entscheiden.

TV-Serien-Hits wie Mad Men führen durch die aufregende Zeit in einer Top-Agentur in Madison Avenue, in der mächtige Kunden und exzentrische Kreative sich gegenseitig einen Schlagabtausch liefern, der in Millionendeals und berühmten Kampagnen endet. Ruhm und Anerkennung sind an der Tagesordnung, genauso wie nächtelanges Durcharbeiten und wilde Parties.

Wie steht es damit im wahren Leben? Was wird im 21. Jahrhundert verlangt von einer Kreativ – oder Kommunikationsagentur, was sind die persönlichen Chancen, und was die Herausforderungen für die Mitarbeiter?

Der Einstieg

Die gute Nachricht: es gibt nach vor die Möglichkeit, als Quereinsteiger einen Fuß in die Tür zu bekommen. Heutzutage müssen Agenturen alle Medienkanäle bedienen können, auch solche auf denen der Kunde bis jetzt noch nicht präsent war. Da das Marketing nicht mehr nur auf den klassischen Plattformen (TV, Print, Radio) mehr oder weniger lokal stattfindet, sondern digital und weltweit ausgerollt wird, ist das Interesse an kompetenten und kreativen Bewerbern aus allen Bereichen groß.

Während eine gute Allgemeinbildung und ein Studium mit Bachelor – oder Masterabschluss mit Sicherheit gute Voraussetzungen sind zu einem Interview eingeladen zu werden, zählen in der Branche aber auch verstärkt persönliche Erfahrungen in den sozialen Medien und im interaktiven Bereich, sowie technische Fähigkeiten außerhalb der Theorie.

Was will ich machen?

Ein abgeschlossenes BWL-Studium mit Schwerpunkt im internationalem Marketing ist eine sehr gute Basis für die Position von einem Junior-Berater, Fremdsprachen und/oder Erfahrungen durch eine Auszeit im Ausland von Vorteil.

Berater sind die Schnittstellen zwischen dem Kunden und der Agentur, sie halten stetigen Kontakt mit allen Parteien, sind bei den Kunden-Briefings und Produktpräsentationen anwesend, überwachen den Prozess der Kampagnenumsetzung als Projekt und halten die Kommunikationswege zwischen der Kreation, der Produktion und dem Kunden von Hindernissen frei. Bei ihnen liegt auch die Verantwortung der Kostenplanung und der rechtzeitigen Freigabe dieser von seitens des Kunden.

Für Kreative im Artwork-Bereich ist ein Grafikstudium meistens eine Voraussetzung; Texter stammen oft aus der Germanistik oder den Literaturwissenschaften. Diese beiden Positionen werden innerhalb der Agentur im Tandem besetzt, und es sind Teams die eng miteinander arbeiten.

Diese Teams antworten direkt an den Kreativdirektor und sind auch mit den Beratungschefs im engen Kontakt.

Sie werden unter anderem unterstützt vom Artbuying, in seiner Rolle als Recherche-Einheit und Einkaufsunit von Bildern, Motiven und der Buchung von Fotografen tätig. Plattformen wie zum Beispiel Getty Images‘ immense Datenbank von Fotografien werden hierzu zu Rate gezogen, wie auch Shootings mit Fotografen für Originalmotive und Produktserien organisiert werden.

Immer stärker wachsen die Abteilungen die sich mit der digitalen Umsetzung und Einbindung von Kampagnen beschäftigen. Neben den Schaltungen von TV-Spots als digitaler Content findet hier auch die Entwicklung von spezifischen Inhalten statt, die gezielt für Plattformen wie Facebook oder Twitter, oder einem Webspecial auf einer eigenen Site konzipiert werden. Viral Marketing wird bei fast jeder neuen Kampagne zumindest schon beim Briefing mit eingeplant, während Kombi-Schaltungen mit kulturellen Events wie Fußballweltmeisterschaften oder Filmpremieren mit Prominenten vor Ort dem Produkt zusätzliche Aufmerksamkeit verleihen.

Programmierer, Grafiker und Konzeptioner sowie Social Media Manager sind hier gefragt.

Eine sehr wichtige Stellung hält die strategische Planungs-Abteilung, die oft mit dem Kunden zusammen den Grundstein für das spätere Briefing legt. Planer betreiben vorab Wettbewerbsforschung in den relevanten Segmenten, studieren die Kampagnen der direkten Konkurrenten, und sind mit der historischen Entwicklung des Kunden vertraut. Sie erstellen detaillierte Präsentationen mit den jeweiligen Maßnahmen die die Zielführung des Projekts sicherstellen sollen.

Medienplanung ist ein weiterer spezifischer Bereich, verantwortlich für die Platzierung der Kampagnen, der im Zuge eines Kommunikationsstudiums gelehrt, oft aber nicht durch die produzierende Agentur sondern durch eine externe Firma gehandhabt wird.

FFF: steht für Film, Funk – und Fernsehen. Diese Abteilung ist nun die eigentliche Produktion, durch die TV-Spots, Radiowerbung und die bewegten Medien an sich hergestellt werden. Geleitet von dem Produktionschef, werden hier die Nutzungsrechte für Schauspieler, Musik, Verlage und Talentagenturen verwaltet und auch eingekauft. Die FFF bucht die Location für die Shootings, die Kamerateams und Crews, den Regisseur und die Studios für die Post-Production. Sie sind bei dem Dreh vor Ort, und liefern die finalen Sendematerialien an die Kanäle. Des Weiteren kauft diese Abteilung die Rechte für internationale Adaptionen oder wiederholte Schaltungen erneut ein.

Eine Ausbildung in der Film-Produktion oder ein relevantes Studium an einer technischen Hochschule sind hier die Norm.

Dies sollte nun eine Anregung sein und eine kleine Tour durch die Aufstellung einer Werbeagentur, es gibt sicherlich weitere Strukturen. Eine Tatsache bleibt jedoch vielen gemein: durch die immer mehr ineinander greifenden Maßnahmen und verschmelzenden Kapazitäten, die ein Marketing im Web 2.0 mit sich bringt, kommt fast jeder Bereich in einer Agentur mit einem anderen in Berührung und so sollte man auch selbst der Arbeitsanforderung flexibel gegenüberstehen.

Während deutsche Agenturen dem klassisch-vollständigen Lebenslauf und einem abgeschlossenen Studium im Marketing allgemein immer noch viel Gewicht beimaßen, können Agenturen im Ausland eine etwas andere Sichtweise exerzieren.

Kreativagenturen in Übersee erkennen die Vorteile von Mitarbeitern, die das gesamte Belegschaftsgefüge unterstützen und komplimentieren, und erstellen Teams aus Kollegen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, die zum Beispiel aus studierten Politikwissenschaftlern, Literaturabsolventen und Geschichtsstudenten bestehen. Eine Reihe der weltweit erfolgreichsten und am meisten ausgezeichneten Kampagnen wurden von solchen Teams in den USA und Großbritannien kreiert, die aufgrund ihres kombinierten kulturellen Wissens und dem Einfließen von neuen kreativen Ideen Kampagnen entwickelten, die bei den Kunden große Resonanz fanden.

Das Interview

Jobanzeigen sind in der Fachpresse zu finden (werben & verkaufen, Horizont), auf den Homepages der Agenturen und durch Jobagenturen.

Ein paar gute Tipps für das Interview: es schadet nicht sich mit der Arbeit der jeweiligen Agentur auszukennen, und sich zumindest ein generelles Bild von der geschäftlichen und wirtschaftlichen Struktur und den jeweiligen Partnern gemacht zu haben.

Man sollte die aktuellen Kampagnen nennen können. Und sich vielleicht auch eine Resonanz zu den Einsätzen überlegen, zu denen es in der Öffentlichkeit geteilte Meinungen gegeben hat. Gerade in solchen Fällen zeigt sich oft, ob und wie der Kunde, und auch die Agentur, mit negativem Feedback umgegangen sind.