Systemische Beratung wird als psychotherapeutische Methode angewandt. Vor allem in der Familientherapie wird sie gerne eingesetzt. Sie hat sich aber auch in Feldern wie der Organisationsentwicklung von Firmen etabliert.
Dabei betrachtet die systemische Beratung den Klienten nicht isoliert, sondern als ein Teil eines Systems, innerhalb dessen er agiert. Daher wird in dieser Beratungsform das ganze Bezugssystem betrachtet. Je nach Aufgabenstellung kann das eine Familie sein oder etwa die Abteilung einer Firma. Der einzelne Klient als Ratsuchender wird lediglich als Funktionsträger des artikulierten Problems angesehen, während das Problem selbst Angelegenheit aller Beteiligter ist.
In einer Beratungssituation gilt es zunächst zu klären, aus welchem Kontext heraus der Klient den Berater konsultiert, und wie das genaue Anliegen lautet. Da dies zunächst oft sehr diffus formuliert wird, ist der erste Schritt, Klarheit über die Problemstellung zu erlangen und sie in bearbeitbare Teilbereiche einzugrenzen. In der Anfangsphase werden die Erwartungen des Klienten erfragt, woraus sich der Auftrag für den Berater ableitet. Wichtig ist, einen umfassenden Einblick in die Sichtweise des Hilfesuchenden zu bekommen. Wie definiert er das Problem, welche Lösungsversuche wurden bereits unternommen? Es wird erläutert, welche wiederkehrenden Verhaltensmuster sich in der Problemsituation darstellen. Wichtig und ein erster Hinweis auf etwaige Lösungsmöglichkeiten ist die Frage nach Ausnahmen innerhalb der Problematik. Schließlich werden die Klienten aufgefordert, selbst Lösungsansätze zu entwickeln.
Der systemische Berater tritt demnach nicht als Ratgeber auf, der die Lösungen weiß und anbietet. Vielmehr kommt ihm die Aufgabe zu, alle Ressourcen im Klienten zu erforschen und zu heben, damit dieser selbst Wege der Problembewältigung finden und diese folglich auch leichter beschreiten kann. Der Berater sieht sich als unterstützender Begleiter in diesem Prozess. Um auf eine konkrete Handlungsebene zu kommen, achtet er darauf, dass die Lösungsideen immer auf die reale Verwirklichungsmöglichkeit hin überprüft werden. Der erste kleine, ganz konkrete Schritt ist der wichtigste Zugang, eine Veränderung herbeizuführen. In die Überlegungen werden alle, die mit der Problematik verknüpft sind, eingebunden. Sind mehr als eine Person am direkten Beratungsprozess beteiligt, ist darauf zu achten, dass alle gleichermaßen als Teil des Systems und somit der Problemstellung betrachtet werden. Die systemische Beratung lenkt das Augenmerk auf die sich gegenseitig bedingenden Wechselwirkungen zwischen den Personen.